Startseite   Schönberger Strand   Aumühle   Wohldorf   Termine   Impressum & Kontakt 

Triebwagen 3495 +


Bild nicht anzeigbar Am "Tag der Straßenbahn", 26. August 2007, konnte auch 3495 vorgeführt werden. Der Wagenkasten ist aber erst teilüberarbeitet und hat an der Stirnfront noch keine Wagennummer. Hier ist er in der Nordschleife vor der Fahrzeughalle am Bf. Schönberger Strand zu sehen und zeigt die Beschilderung, wie sie bis zur Einstellung der Straßenbahn in West-Berlin zu sehen war. Foto: © W. Greiffenberger.

Technische Daten
Wagennummer3498? / 3495
TypBauart 1927 / TM36
HerstellerNorddutsche Waggonfabrik Bremen / AEG
Baujahr/Fabriknummer1927, Umbau 1936 (Christoph & Unmack, Niesky?) / ?
Früherer EinsatzortBerlin
Länge 11640 mm
Breite 2200 mm
Radstand3500 mm
Spurweite1435 mm
Masse15100 kg
MotorDy 601
Leistung 2 x 45 kW
FahrschalterNXFB2F23
Bremseel. Widerstand / Magnetschienenbremse / Hebel-Handbremse
KupplungTyp Albert
Beleuchtungel. Glühlampen
Heizungel. Fahr-/Bremsstrom
Sitz- / Stehplätze30 / 40
Fahrzeuggeschichte
Geschichte der Fahrzeugtypen Bauart 1927, TM33, TM34 und TM36

1920 entstand durch Eingemeindungen „Groß-Berlin”. Die ebenfalls 1920 als Eigenverwaltung der Stadt gegründeten "Berliner Straßenbahnen" übernahmen einen bunten Wagenpark von ihren Vorgängern, der dringend modernisiert und vereinheitlicht werden musste. 1923 wurde die Eigenverwaltung in die stadteigene "Berliner Straßenbahn-Betriebs-GmbH" ausgelagert. Den 1924-26 beschafften T24/B24 (spätere Bezeichnung) mit 501/803 Trieb-/Beiwagen folgten 1927-29 300 Triebwagen Bauart 1927, Nummern 3301-3600. Diese sollten auch zu mehreren in einem Zug einsetzbar sein. Ermöglicht wurde dies durch eine Schützensteuerung, bei der der Fahrschalter lediglich die Steuerströme schaltete.

1929 ging die Gesellschaft in der „Berliner Verkehrs-Aktien-Gesellschaft” (BVG) auf, die fortan U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse betrieb. Technische Mängel wie ausfallende elektrische Bremse bei nicht vorhandener Fahrdrahtspannung (z. B. bei von der Fahrleitung abgesprungener Stromabnehmerstange) führten 1931 zur Abstellung der gesamten Serie, nachdem es dadurch mehrfach zu schweren Unfällen gekommen war. Ersatzweise mussten ausmusterungsreife Altwagen weiter eingesetzt werden. Waggonfabriken und der E-Ausrüster AEG wurden zur Problemlösung aufgefordert.

1933 konnten zunächst 56 Wagen verschiedener Hersteller - vorwiegend niedrige Wagennummern - mit umgebauter el. Ausrüstung als TM33 3300-3355 in Betrieb gehen. Die Schützensteuerung entfiel und die neuen Plattformfahrschalter schalteten den Fahrstrom für bis zu 2 Wagen, die nun mit einer Starkstromkupplung verbunden wurden. So waren nun nur noch 2 Wagen gemeinsam steuerbar. Der größere Fahrschalter erforderte die Teilung und teilweise Verblechung von Front- und linkem Seitenfenster des Führerstandes, was man durch einen dunkelbraunen Anstrich optisch zu kaschieren versuchte.

1934 folgten weitere 50 Wagen verschiedener Hersteller - vorwiegend niedrige Nummern der noch nicht umgebauten Wagen - als TM34 3801-3850, bei denen die Vielfachsteuerung aus Kostengründen entfiel. Sie wurden mit einer herkömmlichen Zweiachser-Ausrüstung versehen. Die Nottüren jeweils vorne rechts wurden für den allgemeinen Gebrauch umgebaut.

Erst ab 1936 kamen die restlichen 194 von verschiedenen Herstellern stammenden Wagen mit Zweifachsteuerung analog den TM33 als TM36 3401-3594 wieder in Fahrt, im Unterschied zu jenen nun aber ebenfalls mit Vordertür. Die Zweifachsteuerung wurde auch "Verbundsteuerung" genannt. Die meisten Wagen behielten ihre Nummern, bestehende Nummernlücken wurden mit bislang nicht umgebauten Wagen anderer Nummernbereiche aufgefüllt.

Um 1938 wurden die Stangenstromabnehmer von Rolle auf Schleifstück umgebaut, 1948 wichen sie Scherenstromabnehmern. Mit der Netzteilung nach Gründung von Bundesrepublik und DDR verblieben die meisten Wagen dieser Typen im Westteil der Stadt. In der Kriegszeit gingen 72 Wagen verloren und bei Schäden wurde die Verbundsteuerung nicht repariert. Im Osten wurde der Verbundbetrieb nicht wieder aufgenommen und die 3 Bauarten angeglichen. Die letzten Wagen waren bis 1970 im Einsatz. Im Westen wurden die Verbundsteuerungen repariert und 1959 verlangte die strengere BO-Strab den Einbau von Schienenbremsen. So verblieben die Wagen bis zur Betriebseinstellung 1967 ohne wesentliche Veränderungen.

Geschichte der TM36 3487 und 3495

Während man in Hamburg in den 1920ern noch Z2 und V2 mit hölzernen Wagenkästen und konventioneller Elektro-Ausrüstung baute, war man auch in Berlin bei diesen Wagen bereits zur genieteten Stahl-Bauweise übergegangen. Auch elektrisch ging man andere Wege, wie oben beschrieben. Zudem ermöglichten die breiten Mitteltüren niedrigere Einstiegs- und Bodenhöhen.

Die Verbundwagen - so auch unsere 3487 und 3495 - waren bis 1967 (Einstellung der Straßenbahn in West-Berlin) im Einsatz. Die Verschrottung erfolgte aber nicht so schnell und umfassend wie in Hamburg, so dass 1973/74 noch 2 Wagen vom Betriebshof Moabit nach Hamburg übernommen werden konnten. 3495 verließ Berlin am 18.7.1973 per Tieflader nach Bahrenfeld, 3487 folgte 1974 per Binnenschiff und Tieflader. Im März 1974 konnte sogar noch eine kurze Probefahrt auf dem Netz gemacht werden. Dazu erhielten beide Wagen statt der Scherenstromabnehmer wieder Stangenstromabnehmer von ausgemusterten V7E.

Doch mit der Verkleinerung des Hamburger Netzes und der Räumung des Betriebshofs Bahrenfeld mussten beide Wagen Hamburg 1975 verlassen. Nach Zwischenstation im Lokschuppen des Bf. Wakendorf-Götzberg, wo museale Bemühungen aber scheiterten, erreichte 3487 Schönberger Strand am 5.11.1977. 3495 folgte am 15.4.1978. Während Wagen 3487 immer am Schönberger Strand blieb und dort der Witterung ausgesetzt war, konnte der Wagen 3495 einige Jahre in einer Scheune in der Nähe untergebracht werden. Seit November 1999 sind wieder beide Wagen am Schönberger Strand. Der Wagen 3487 ist Mitte der 1990er Jahre vereinzelt mal mit eigener Kraft bewegt worden, zur Zeit aber nicht betriebsfähig abgestellt. Der 3495 konnte im Laufe der Jahre wieder so weit hergerichtet werden, dass er wieder fahrend gezeigt werden kann.

Mitte 2016 fand sich eine Mitarbeitergruppe aus Berlin, die sich intensiv des 3495 annahm. Ziel war es, den Wagen am „Tag der Straßenbahn” 2017 aufgearbeitet wieder in Betrieb zu nehmen, um ihn anschließend anlässlich des 50. Jahrestages der Einstellung der Straßenbahn in West-Berlin (2.10.1967) dort für ein paar Tage zu präsentieren. Näheres dazu weiter unten mit Bildbelegen.
Museale Bedeutung
Nicht mehr recht im "Einzugsbereich" Hamburgs liegt Berlin und somit nicht in den Grenzen unseres auf Norddeutschland bezogenen Museums. Angesichts schneller Bahnverbindungen scheinen die Entfernungen aber zu schrumpfen. Die TM36 wurden aber noch zu einer Zeit beschafft, als der VVM bemüht war, auch Beispiele technischer Lösungen zu zeigen, die es in der näheren Umgebung nicht gab. Dazu gehörten die beiden Verbundwagen und 2 weitere heute nicht mehr vorhandene Wagen. Heutzutage ist es vielleicht taktisch nicht unklug, auch etwas aus der Hauptstadt vorweisen zu können. Von zwei gleichen Wagen könnte man einen für überzählig halten, um die technische Besonderheit zu demonstrieren, benötigt man jedoch 2 Exemplare. So ist zu hoffen, dass eines Tages beide zusammen mit Verbundsteuerung gezeigt werden können. Zudem sind die TM36 ein gutes Beispiel, um zu zeigen, welche Probleme technische Neuerungen bringen können, hat es doch ein Jahrzehnt gedauert, bis sie die in sie gesetzten Hoffnungen auch erfüllten.
Weitere Bilder
Bild nicht anzeigbar Im April 1965 führte eine Klassenreise den jungen Verkehrsamateur nach Berlin. Auf dem Programm standen meist Dinge, die man oft heute noch machen kann, nicht aber das schon lange im Westteil der Stadt nicht mehr mögliche Fotografieren von Straßenbahnen. So entstanden davon nur wenige Bilder. Der Zufall wollte es, dass dabei am Zoo auf der Linie 55 ausgerechnet der später zum VVM gelangte Wagen 3495 vor die Linse kam. Foto: © W. Greiffenberger.

Bild nicht anzeigbar Ende Juli 1973 war Wagen 3495 in Hamburg angekommen und wurde per Kran auf der stillgelegten Strecke im Bahrenfelder Steindamm abgeladen, was wegen der fehlenden Oberleitung leicht möglich war. Als allerletzte Bahn dort fuhr er dann im Schlepp des Speditions-LKW zum nahen Bahrenfelder Betriebshof. Foto: © W. Greiffenberger.

Bild nicht anzeigbar Nur ein einziges Mal waren 3487 und 3495 in Hamburg nach Durchmessen der elektrischen Anlage und Montage von Stangenstromabnehmern auf Probefahrt auf dem kurzen Streckenabschnitt zwischen Betriebshof Bahrenfeld und der Schleife Silcherstraße unterwegs. Mit abgezogenem Stromabnehmer fährt 3495 hier als durch 3487 gesteuerter 2. Wagen. Foto: © S. Behn.

Bild nicht anzeigbar Am 17. Juni 1983 wurden alle Wagen auf Gleis 1 am Bahnhof Schönberger Strand fotografisch dokumentiert. Auch 3495 zeigt nach fast einem Jahrzehnt im Freien die Spuren von Regen und Sonne. Foto: © W. Greiffenberger.

Bild nicht anzeigbar Schön ausgeleuchtet wird 3495 am 19.8.2006 auf der kurzen Museumsstrecke vorgeführt. Zumindest die Elektrik ist so weit überprüft, dass er sich gelegentlich mit eigener Kraft bewegen kann. Foto: © H. Ebeling.

Bild nicht anzeigbar Auch am 26. August 2007 ist 3495 im Vorführ-Einsatz. Auf dieser Fahrzeugseite ist noch reichlich Arbeitsvorrat erkennbar. Foto: © W. Greiffenberger.

Bild nicht anzeigbar Am gleichen Tag bei Ausfahrt aus der Nordschleife ist 3495 noch einmal zu sehen. Markant für diesen Fahrzeugtyp sind die Kuppelkabel an der Stirnfront für den Verbundbetrieb mit einem zweiten gleichen Wagen. Foto: © W. Greiffenberger.

Nachfolgend Bilder von den Arbeiten am 3495. Norbert Walter schrieb dazu Ende November 2016:

Die Aufarbeitung des Tw 3495

Im Juli 2016 begannen Mitglieder der Berliner „Interessengemeinschaft Linie 55” mit der Aufarbeitung des Tw 3495. Dieser Triebwagen wurde 1929 bei der Norddeutschen Waggonfabrik Bremen für die Berliner Straßenbahn erbaut. Er hatte ursprünglich eine Schützensteuerung, die sich jedoch nicht bewährte und 1937 durch eine Verbundsteuerung ersetzt wurde. Grund für die Aufarbeitung ist das in die Verkehrsgeschichte eingegangene Datum 2. Oktober 1967. Bald ist es ein halbes Jahrhundert her, dass im damaligen West-Berlin die Straßenbahn verabschiedet wurde. Für ein geplantes Event in Berlin Ende September/Anfang Oktober 2017 wird der Tw 3495 als Gast wieder in seine alte Heimat zurück kommen. Hans-Jürgen Kämpf vom VVM war damals so weitsichtig, 2 Berliner Verbundwagen zu erwerben. 1973 kam dieser Triebwagen zunächst nach Hamburg. Über Umwege gelangte schließlich der Tw 3495 zum Schönberger Strand. Natürlich hatte der Wagen inzwischen außen und innen mächtig gelitten. Aber das entmutigte die IG Linie 55 nicht. Es konnten wegen des großen Engagements von Dennis Gransee zahlreiche Spenden verbucht werden. Siehe hierzu auch die private Facebook-Spendenseite. Auch einige Firmen beteiligten sich bei der Aufarbeitung des Wagens bzw. von Teilen, die im folgenden genannt werden:

- VEN-TEC, mobiler Strahldienst
- Schröder Galvanik
- Strahlfix
- Schlosserei MBB-Mendel

Die äußere Lackierung konnte im Oktober 2016 beendet werden. Den Wagenkasten lackierte Norbert Walter aus Berlin, Dach und Untergestell Dennis Gransee aus Berlin. Die Elektrik lag in den Händen von Michael Warnatsch aus Berlin. Nicht unerwähnt bleiben soll Familie Bohrer aus Berlin, die originale Innenraum-Lampen spendete. Auch ein großes DANKE an Frank von Rimann-Lipinski, der alle fehlenden Schilder des Innenraumes spendete. Danke auch an Jens Marian für seine Holzarbeiten.

Im Oktober 2016 fanden die Straßenbahn-Jugendtage statt. Außer, dass die Wagenhalle auf Vordermann gebracht wurde, konnten die Jugendlichen auch ihr handwerkliches Können beim Wagenausbau unter Beweis stellen. Nicht unerwähnt hierbei sollen Hannes Hinz und Fabian Fritz sein, die mit großem Fleiß Schleifarbeiten ausführten. Der Raucherbereich im Inneren konnte inzwischen malermäßig fertig gestellt werden. Der Nichtraucher- und der Eingangsbereich werden bis März 2017 fertig gestellt.

Die feierliche Wiederinbetriebnahme findet am 2. September in Schönberg statt. Wir sind sehr zuversichtlich, dass dieser Termin gehalten wird. Übrigens wird durch Uwe Bohrer aus Berlin ein Film zur Aufarbeitung dieses Tw entstehen. Seien Sie gespannt, wir sind es auch.

Bild nicht anzeigbar 5.6.16 - Innenlampe, glänzendes Messing kann man kaum noch erahnen. Foto: © D. Gransee.

Bild nicht anzeigbar 26.6.16 - Auch die Stirnlampe verspricht viel Arbeit. Foto: © D. Gransee.

Bild nicht anzeigbar 14.7.16 - Alle Leuchten sind wieder funktionsfähig, aber noch nicht aufgearbeitet. Foto: © D. Gransee.

Bild nicht anzeigbar Auch innen zeigt das Licht, dass es noch viel zu tun gibt. Foto: © D. Gransee.

Bild nicht anzeigbar 15.7.16 - Diverse zur Aufarbeitung demontierte Teile. Foto: © D. Gransee.

Bild nicht anzeigbar 12.8.16 - Sandstrahlarbeiten. Foto: © D. Gransee. .

Bild nicht anzeigbar 13.8.16 - Teildemontierter Dachbereich ohne Dachhaut. Foto: © D. Gransee.

Bild nicht anzeigbar 17.8.16 - Stirnfront in Arbeit. Foto: © D. Gransee.

Bild nicht anzeigbar 20.8.16 - 3 Tage später sieht es schon deutlich besser aus.. Foto: © D. Gransee.

Bild nicht anzeigbar 3.10.16 - Eine schon recht erfreuliche Seitenansicht. Foto: © D. Gransee.

Bild nicht anzeigbar 16.10.16 - Blick aufs Dach. Anfahr-/Bremswiderstände ohne Abdeckungen, Flettner-Luftsauger und wieder der 1948 eingeführte West-Berliner Scherenstromabnehmer. Foto: © D. Gransee.

Bild nicht anzeigbar 29.10.16 - Innenraum in Arbeit. Foto: © D. Gransee.

Bild nicht anzeigbar 15.11.16 - Aufgearbeitete Stirnlampen. Foto: © D. Gransee.

Bild nicht anzeigbar und wie fabrikneu sehen diese Innenlampen aus. Foto: © D. Gransee.

Bild nicht anzeigbar 20.11.16 - Der Innenraum nimmt Gestalt an. Foto: © D. Gransee.